Warum Nicht-Beständigkeit etwas Gutes ist

Ein grundlegendes Credo des Buddhismus ist, dass alles drei Merkmale hat: Unbeständigkeit, dukkha (Leid) und „ohne Selbst“. Was auf den ersten Blick wie eine sehr pessimistische Lebenseinstellung klingt, ist in Wirklichkeit eine Botschaft der Hoffnung und der Ermutigung.  

„Ohne Selbst“ bedeutet nicht, dass wir nicht existieren, sondern nur, dass es so etwas wie eine unveränderliche, innere Essenz nicht gibt, weder bei Lebewesen, noch bei Objekten (siehe den Artikel „Was ist eine Person?“). Und das ist gut so, denn sonst hätten wir nie die Möglichkeit, uns zu verändern; böse Menschen wären für immer böse, und unglückliche Leute blieben immer unglücklich. 

Das zweite Merkmal, "Leid", bedeutet denn auch nicht, dass es in dieser Welt keine Freude gibt; es erinnert uns nur daran, dass alles das Potenzial hat, uns Kummer zu bereiten - denn selbst der schönste Moment wird unweigerlich vorübergehen, und dann finden wir das schade, oder sind sogar traurig. Das bringt uns zum dritten Merkmal, nämlich, dass alles in dieser Welt vergänglich ist; und tatsächlich ist dies eher eine gute Sache als ein Problem. 

Es stimmt zwar: Selbst der glücklichste Moment wird immer nur ein Moment sein, und er wird vergehen. Die Annahme, dass auf einen glücklichen Moment unweigerlich ein trauriger Moment folgen muss, ist jedoch falsch. Der Buddha hat nie gesagt, dass ein Mensch nach jedem Moment des Glücks auf jeden Fall einen Moment der Traurigkeit erleben muss. Denn genau wie beim Werfen einer Münze, wo man nicht unbedingt Kopf bekommt, nachdem man Zahl hatte, sondern vielleicht mehrmals hintereinander Zahl, ist es durchaus möglich, einen glücklichen Moment zu erleben, und noch einen und noch einen, mehrmals hintereinander (tatsächlich hängt das von dir und deiner inneren Einstellung ab - erinnerst du dich an die Artikel über die Realität und die acht Bewusstseinsarten?) 

Selbstreflexion: Denke an einen glücklichen Moment in deinem Leben zurück und beobachte, wie diese Erinnerung sich auf deine Stimmung auswirkt.  

Vergänglichkeit, bzw. Unbeständigkeit bedeutet, dass alles, einschließlich unseres vermeintlichen "Selbst", ein Kontinuum von Momenten und nicht eine feste Einheit ist. Die fünf Skandhas, wenn du dich an den Artikel "Was ist eine Person?" erinnerst, sind immer in Bewegung, und auch die Samen im unterbewussten Gedächtnisspeicher entstehen, vermehren und verändern sich ständig. Genau das ist es, was es uns ermöglicht, uns körperlich und geistig zu entwickeln; und ist das nicht eine wunderbare Sache? Stell dir nur vor, du würdest für immer in deinem dreijährigen Selbst feststecken! 

Selbstreflexion: Vergleiche dich heute und vor zehn Jahren: Inwiefern hast du dich verändert? Und durch was für „Samenkörner“ (Erfahrungen) wurden diese Veränderungen hervorgerufen? 

Die Unbeständigkeit erlaubt uns, einen Zwang zu überwinden; denn auch wenn es sich so anfühlt, als wärest du im Zwang gefesselt von unsichtbaren, schweren Ketten, ist das, was du erlebst, in Wirklichkeit kein fixer Zustand, sondern eine Reihe von Zwangs-Momenten, die entstehen und sich vermehren, weil sie jeweils auf dem vorhergehenden Moment aufbauen. Jeder Moment allein könnte niemals Macht über dich ausüben, denn er ist viel zu kurzlebig. Es ist die Vermehrung der Momente und ihre Aneinanderreihung, die das eigentliche Problem darstellt. Der Schlüssel zur Befreiung von Zwängen liegt deshalb darin, jeden Zwangsgedanken als einen flüchtigen Augenblick zu erkennen, der unweigerlich vorübergeht. Im nächsten Abschnitt werden wir uns ansehen, wie das geht und wie man die Kette unterbricht, indem man "die Gegenwart herausschneidet".