
1. Was wir als unser "Selbst" wahrnehmen, ist keine unveränderliche Einheit, sondern ein Kontinuum aus fünf Komponenten: Körper, Gefühle, Gedanken, Handlungen und Bewusstsein. Diese fünf "skandhas" sind ständig in Bewegung. Es gibt also keinen Teil von uns, der immer gleich bleibt: Der Körper wächst und wird alt; und wenn du denkst, dass die geistigen Komponenten stehen auch nie still. Versuche einmal, dich auf ein Objekt zu konzentrieren, ohne auch nur einen einzigen anderen Gedanken ins Bewusstsein zu lassen. Wie lange kannst du das durchhalten? Höchstwahrscheinlich werden es eher (Milli-)Sekunden als Minuten sein. Das, was wir als "Selbst" bezeichnen, ist also ein Kontinuum aus den oben genannten fünf Komponenten und nicht eine feste Einheit.
2. Der Grund, warum manche Dinge – z. B. schlechte Angewohnheiten ;-) – uns als „feste“ Eigenschaften erscheinen und so schwer loszuwerden sind, liegt daran, dass das Kontinuum dem Prinzip von Ursache und Wirkung folgt und dass es die Fähigkeit hat, sich an vergangene Erlebnisse zu erinnern (in Form von sog. "Samenkörnern"). Beispielsweise erlebt eine Person, die eine Zigarette raucht, ein Gefühl der Befriedigung und Entspannung. Die Erinnerung daran ist die Ursache dafür, dass das nächste Mal, wenn sie sich gestresst fühlt, eine gleiche Wirkung eintritt (d. h. die Person raucht wieder eine Zigarette). Die "festen" Eigenschaften des Selbst sind in Wirklichkeit gar nicht fest; sie sind nur eine Kette von Ereignissen, die immer wieder auftreten, weil wir die dafür notwendigen Bedingungen immer wieder neu erschaffen. Daraus folgt, dass du keine Zwangsstörung "hast", sondern nur eine Reihe von "Zwangs-Momenten" erlebst.
3. Was wir "Realität" nennen, ist keine objektiv gültige "Wahrheit". Stattdessen erschaffen wir in jedem Moment unsere eigene, subjektive Realität. Der Grund dafür ist, dass unsere kognitiven Prozesse stark von unseren früheren Erfahrungen (den "Samenkörnen") beeinflusst werden. Infolgedessen sind wir voreingenommen und sehen die Welt (und uns selbst) in einem bestimmten Licht. Dieses Licht kann positiv oder negativ oder eine Mischung aus beidem sein, aber es ist immer nur unsere individuelle Sicht der Dinge und nichts, was objektiv "wahr" ist.
4. Daraus folgt, dass unsere "Realität" unbeständig und veränderlich ist, wie alles andere auch; was bedeutet, dass es möglich ist, an einer negativen Realität zu arbeiten und sogar in eine positivere Erfahrung zu verwandeln.
5. Das Verhältnis von "kusala"- und "akusala"-Gefühlen spielt eine wichtige Rolle bei der Veränderung unseres Realitätsempfindens. Kusala ist alles, was dich ruhig und zufrieden sein lässt. Akusala ist vereinfacht gesagt alles, was dich stresst. Im Buddhismus sagt man, dass kusala im Regelfall mehr kusala erzeugt, und akusala mehr akusala. Es wird auch gesagt, dass kusala stärker ist als akusala. Indem wir an unserem kusala-akusala-Verhältnis arbeiten, können wir also aktiv beeinflussen, ob wir in einer "positiven" oder "negativen" Realität leben.