
Zwänge sind eine Form der Angststörung und können die unterschiedlichsten Inhalte und Ausprägungen annehmen. Man vermutet, dass weltweit etwa 2% der Menschen unter Zwängen leiden*.
Manche von ihnen leiden an Zwangsgedanken, das heißt sie sehen im Geiste immer wieder Bilder, die ihnen Angst machen. Andere hören eine „innere Stimme“, die ihnen schreckliche Dinge weiszumachen versucht. Das können zum Beispiel Gewaltphantasien, blasphemische Gedanken, oder scheinbare „Vorahnungen“ von Katastrophen sein. Art und Inhalt von Zwängen sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Es gibt jedoch einige „typische“ Themen, die immer wieder auftauchen**:
Zwangsgedanken kommen immer wieder, meistens umso stärker, je mehr man sie zu verdrängen versucht. Für die Betroffenen ist das eine extreme psychische Belastung und deshalb versucht das Gehirn, die unangenehmen Gedanken zu „neutralisieren“, indem eine Zwangshandlung ausgeführt wird. Zum Beispiel: Wenn ich genau fünf Mal den Lichtschalter an- und ausknipse, wird das fürchterliche Ereignis, das ich in meinen Gedanken sehe, nicht eintreten. Dies schafft kurzfristig Linderung, aber leider nur, bis die Zwangsgedanken erneut auftauchen; und das tun sie immer und immer wieder.
Jedes Mal werden sie durch Zwangshandlungen zu „neutralisieren“ versucht. Die Psyche „lernt“ also, den bedrohlichen Gedanken und Gefühlen durch Zwangshandlungen zu begegnen; und schon ist man in der Zwangsspirale gefangen. Aus ihr auszubrechen ist nicht einfach, denn man muss der Psyche beibringen, dass auch ohne Zwangshandlung und ohne Neutralisieren nichts Schlimmes passiert – das wird zum Beispiel in der Verhaltenstherapie mit Exposition (ERP) trainiert, dem derzeitigen Goldstandard bei Zwängen (andere Therapieansätze sind u. A. kognitive Verhaltenstherapie (CBT), medikamentöse Behandlung, Gesprächstherapie und in Extremfällen operative Eingriffe; die Expositions-Therapie hat sich bislang jedoch am besten bewährt). **
Allerdings ist dies für viele Betroffene unglaublich schwierig, insbesondere wenn sie nicht in der Praxis des Therapeuten üben, sondern alleine Zuhause. Es braucht ein immenses Maß an innerer Kraft und Mut, um sich dem Zwang und der damit verbundenen Angst zu stellen. Das buddhistische Selbsthilfe-Programm beinhaltet neben der Arbeit an dem Zwang aus diesem Grund auch viele Elemente, die dir helfen, mentale Stärke zu entwickeln. Mehr darüber erfährst du auf den nächsten Seiten.
Quellen:
*Deutsche Gesellschaft für Zwangserkankungen: https://www.zwaenge.de/diagnose/haeufigkeit_verlauf/
**Drummond, L. und Edwards, L (2018): Obsessive Compulsive Disorders. All you want to know about OCD for People Living with OCD, Carers, and Clinicians. Cambridge University Press.